NEWS & FACTS

2019

Im Interview: Anselm Elles, AFC Risk & Crisis Consult

Im Vorfeld des Food Safety Kongresses sprechen wir mit unseren Kooperationspartnern und Referenten über die Themen, welche die Branche momentan bewegen.

Anselm Elles, Geschäftsführer, AFC Consulting Group AG, beantwortete unsere Fragen zum Thema „Transparenz in der Lieferkette" und die damit verbundenen Risiken sowie dem Thema Krisenkommunikationsmanagement.

1) Trends zeigen, dass soziale Themen, wie Klimaschutz, Fairness in der Supply Chain, Natürlichkeit (Zutaten) und Tierwohl, für Verbraucher immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Forderung nach mehr Transparenz in der Lieferkette und dem Verbraucher gegenüber wird immer lauter. Welche Auswirkungen hat diese Erwartungshaltung auf die Unternehmen in der Lebensmittelwirtschaft insbesondere in den Bereichen Qualitätsmanagement aber auch in der Kommunikation?
Kein Unternehmen kann es sich heutzutage mehr leisten, seine Risiken entlang der Lieferkette weder zu kennen noch erst im Rahmen einer kritischen Anfrage zu bewerten. Um in krisenhaften Situationen effizient agieren zu können, müssen die eigenen Themen und Anspruchsgruppen im Vorhinein bekannt und die Maßnahmen des Krisenmanagements erprobt sein. Die Herausforderungen steigen somit stetig und die Bereiche Risiko- und Krisenmanagement sowie Krisenkommunikation sollten heute untrennbar mit dem Qualitäts- und Unternehmensmanagement verbunden sein. Wichtig ist hierbei, die einzelnen Issues unternehmensspezifisch zu bewerten und transparent, auf die jeweilige Zielgruppe angepasst, zu kommunizieren.

2) Zurück zum Thema Transparenz in der Lieferkette. Rohstoffe werden zunehmend global eingekauft. Dies führt dazu, dass Lieferbeziehungen und Lieferketten komplexer werden. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass es entlang der Lieferkette mehr Risiken gibt. Sind Unternehmen sich der Risiken bewusst und was machen sie, um diesen zu begegnen?
Den meisten Unternehmen sind die Risiken sehr wohl bewusst. Dies zeigen auch die Ergebnisse der diesjährigen AFC/BVE-Studie „Herausforderungen in komplexen Lieferketten". 300 befragte Risiko- und Krisenmanager geben an, dass ihre Unternehmen bereits wichtige Maßnahmen ergreifen, um Risiken entlang der Lieferkette zu steuern. Dabei werden die Risiko- und Krisenmanagementsysteme laufend optimiert und die Unternehmen sind sensibler für Risikothemen und Anspruchsgruppen geworden. Im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2015 ist in allen Bereichen ein positiver Trend zu beobachten. So fordern mittlerweile 82 Prozent der Unternehmen verpflichtende Zertifizierungen von ihren Handelspartnern, um die Risiken in ihrer Lieferkette zu minimieren, das sind 15 Prozent mehr als noch im Jahr 2015. 78 Prozent der Unternehmen führen regelmäßig Audits und Kontrollen vor Ort durch und 76 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lieferanten basierend auf einer Risikoanalyse. Bei der Umsetzung von Maßnahmen, wie zum Beispiel dem regelmäßigen Risiko-Monitoring (54 Prozent) sowie der Sensibilisierung und Schulung der Lieferanten bezüglich identifizierter Risikothemen (33 Prozent), besteht allerdings noch Nachholbedarf, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und sich entlang der gesamten Supply Chain abzusichern.

3) Verbraucher stehen der modernen Lebensmittelproduktion zunehmend skeptisch gegenüber. Durch Skandale oder vermeintliche Skandale sehen sie sich immer wieder bestätigt. Welche Themen kommen in Meldungen häufig vor und wie ist die Lebensmittelbranche im Bereich des Krisenkommunikationsmanagements eigentlich aufgestellt?
Im Rahmen des AFC-Issue-Monitors haben wir im vergangenen Jahr 1.163 öffentliche Meldungen zu kritischen Themen und Trends in der Agrar- und Ernährungsbranche identifiziert. Die fünf Top Themen machten nahezu die Hälfte aller Meldungen aus. Mit deutlichem Abstand (172 Meldungen) ist das Thema „Tierhaltung" ein Dauerbrenner. Rund 10 Prozent der kritischen Meldungen beschäftigen sich mit „Lebensmittelinhaltsstoffen", gefolgt von „Umweltauswirkungen der Landwirtschaft", „Verpackungsmüll" und „Kennzeichnung".

Wir merken in der täglichen Beratung, dass die Unternehmen die Risikothemen durchaus im Blick haben. Laut der AFC/BVE-Studie sehen sich die Befragten mit Risiken zu Produktkontamination (80 Prozent), kritischen Testberichten (66 Prozent) und Lebensmittelbetrug (66 Prozent) konfrontiert. Auch die vornehmlich in der Öffentlichkeit diskutieren Themen wie Inhalts- und Zusatzstoffe (62 Prozent) und Kennzeichnung (51 Prozent) sind genannte Herausforderungen. Diese Bandbreite macht deutlich, dass ein Ineinandergreifen der Bereiche Risikoprävention, Krisenkoordination und Kommunikation unbedingt erforderlich ist. Daher haben die meisten Unternehmen die Forderungen der Anspruchsgruppen nach Transparenz und Nachhaltigkeit auf ihrer Agenda und glauben, größtenteils sehr gut oder gut (87 Prozent) auf unbequeme Fragen vorbereitet zu sein.

4) Was können Unternehmen konkret tun, um verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen?
Aufgrund des exponierten Stellenwerts wird der Lebensmittelsektor immer im Fokus der Öffentlichkeit stehen und wie alle anderen Branchen auch mit schwarzen Schafen zu kämpfen haben. Sind die Unternehmen aber entlang ihrer Lieferkette gut aufgestellt, lassen sich Krisen vermeiden bzw. besser händeln. Wir empfehlen unseren Mandanten die Durchführung von Monitorings und Themenanalysen, effiziente Risiko- und Krisenmanagementsysteme sowie die enge Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten. Je internationaler und komplexer die Supply Chain ist, desto wichtiger ist es seine Partner zu kennen. Um die vertrauensbildenden Maßnahmen zu transportieren, gehört der Austausch zwischen den betroffenen Abteilungen, eine strategische Pressearbeit sowie die Zusammenarbeit mit Stakeholdern ebenso dazu, wie die Bereitschaft seine eigenen Produkte an mögliche Anforderungen seiner Anspruchsgruppen anzupassen.

5) Auf dem kommenden Food Safety Kongress werden wir über all diese Themen diskutieren. Was macht für Sie die Teilnahme am Kongress wertvoll?
Seit der ersten Stunde des Kongresses ist die AFC Risk & Crisis Consult als aktiver Partner dabei. Das sind zwölf Jahre Austausch mit Experten aus Hersteller- und Handelsunternehmen, Behörden, Verbänden und anderen Dienstleistern. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen, weil uns die Agrar- und Ernährungsbranche, für die wir als Spezialisten tätig sind, am Herzen liegt. Von Jahr zu Jahr entwickeln sich die Themen weiter und selbstverständlich passen wir unser Serviceangebot an die veränderten Herausforderungen, denen sich unsere Mandanten stellen müssen, an. Das gelingt nur, wenn man seinen Erfahrungsschatz mit anderen teilt und offen ist für neue Ideen und Projekte. Dafür bietet der Food Safety Kongreass eine ideale Plattform.

Anslem Elles spricht im Rahmen des diesjährigen Food Safety Kongress zum Thema „Food Safety als zentrale Herausforderung globaler Supply Chains"

Food Safety Kongress 2022

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